Günter Overmann
 Günter Overmann

Obwohl im Kern ein Gesprächsduell, geht man fehl, wenn man hinter diesem Roman handlungsarme Literatur argwöhnt. Overmanns Hauptberuf als Fernsehserienautor (...) schützt ihn bei allem Interesse an moralischen Fragen vor den Verstiegenheiten allzu intellektueller Schreibweisen. Gerade in den historischen Rückblenden ist "Tauchgang" szenisch orientiert, besticht durch plastische Schilderungen und einen spannenden Plot. Bis zum Schluss weiß der Leser nie so genau, ob die Figur des historischen SS-Mannes tatsächlich mit der des späteren Architekten identisch ist. Fast ein bisschen perfide hat Overmann den greisen Baumeister in der Art eines schlohweißen Ernst Jünger gestaltet: ein Mann, dem man auch noch in seinen Neunzigern abnimmt, dass er körperliche Gebrechen bei sich selbst ignoriert und sich der Frage von Schuld und Verstrickung mit dem jüngerschen Bild der "Häutungen" entziehen könnte. Eine moralisch mehr oder minder verwerfliche Häutung oder eine simple Personenverwechslung? Das bleibt lange offen. 

 

Florian Felix Weyh, Büchermarkt, Deutschlandfunk

 

 

Bei dieser Gelegenheit möchte ich unbedingt darauf hinweisen, dass auch von Günter Overmann soeben ein großartiger Roman erschienen ist. 'Tauchgang' heißt der und taucht in die Schulddramatik und Schulddramaturgie der letzten sechzig Jahre ab. Der Roman ist so spannend wie tiefentauglich.

 

Walter van Rossum, Gutenbergs Welt, WDR 3

 



In der Auseinandersetzung (...) lässt Overmann die Bruchlinien der kulturellen Nachkriegsentwicklungen deutlich werden: auf der einen Seite der Rechtfertigungszwang der älteren Generation, die ihr Überleben zum obersten Prinzip erhebt und dafür auch das Verdrängen der Morde von Millionen in Kauf nimmt, auf der anderen Seite eine Generation, die sich mit den Vorgängen von 1968 gleichsam exkulpiert hat und sich deshalb im Besitz eines Freifahrscheins für moralische Reinheit glaubt.

 

Robert Boucard, Im Lesesaal 06/2012 



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